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Stephan Bauer am 19. Februar 2016


Ein Abend zwischen Bedauern und Lachen - Comedy mit Stefan Bauer
Der Aperol Spritz leuchtet rot, Perlen steigen im Champagnerglas auf, etwa zwanzig Leute unterhalten sich bei Kerzenlicht an den Tischen. Auf der Bühne steht ein metallener Barhocker, einer von der kühlen Art, ohne Sitzpolster. Der Tönler deckt noch etwas Rotes am Bühnenrand ab, nun ist der Boden vor uns ganz schwarz, schwarz der Vorhang dahinter, nur der Stuhl glänzt silbern.
Noch steht Stefan Bauer hinten an der Bar. "Was gibt's?" frage ich. "Noch gar nichts", antwortet er trocken. Wir werden sehen …
Er sei verliebt in seine Nachbarin, beginnt Bauer den Auftritt, nur er auf der Bühne, sein Mikrofon (und der Stuhl), und er habe ein geringes Selbstwertgefühl, verrät er uns weiter, so gering, dass seine einzigen zwei Schulfreunde Fantasiegestalten waren, und die haben erst noch ohne ihn zusammen gespielt. Oooh… raunt das Publikum bedauernd, und das heute Abend nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal. Zwischen seinen Witzen lässt der Komiker immer wieder den Versager durchblicken, den Mann, der froh ist, wenn er einen noch grösseren Vollpfosten findet, der ungewollt seinen Selbstwert aufpoliert. Politisch äussert sich Bauer nicht. Er bleibt artig im Umfeld von Männern, Frauen, Müttern, Vätern und Sex. Nur Waldorfmütter sind ihm ein Gräuel, dies ein klares Statement, das beim Publikum der Baronessa allerdings nicht nur gut ankommt.
Sex sells – kein Sex auch, wie die logischen Überlegungen zur Überwindung der Besucherritze durch fliegendes Sperma im elterlichen Ehebett zeigen. Ein guter Grund jedenfalls, nach der verpfuschten Ehe doch nicht zu Muttern zurückzukehren, jetzt, wo Mann weiss, dass er nicht vom Storch geliefert wurde. Nahtoderfahrungen macht der Mann in unserer Kultur übrigens im Fitnessstudio oder mit einer Überdosis Viagra. Kein Wunder, denn wer in seiner Beziehungswelt Fifty Shades of Grey für Fesselspiele und Latexorgien hält, muss zwangsläufig unter einer übertriebenen Feinfühligkeit leiden (anm.d.A.), oder sind sie am Ende gar Hypochonder? Ein weiterer – ooh – bemitleidenswerter Zug unseres humorvollen Erzählers, diese Hypochondrie, die unter Männern wohl verstanden, aber von Frauen lapidar mit "dann geh doch zum Arzt" abgetan wird. Flink wird also in wenigen Sätzen der eingebildete Kranke selbst zum Doktor, der sich bescheiden an der Türglocke mit "Stefan Bauer, praktisch Arzt" anzuschreiben gedenkt. Ob Buchstabensuppe wieder auskotzen nun gebrochenes Deutsch ist oder die Ehe ihre Würze erst durch eine Lebensversicherung erhält, ob Schimmelkäse ohne Käse im Kühlschrank am besten von einer Putzfrau entsorgt wird, die selbst so alt ist, wie die Flecken in der Junggesellenwohnung oder ältere Herren die besten Väter für Kleinkinder sind, weil sie eh jede Nacht zehnmal aufstehen – Bauer turnt durch sein Programm und bringt die Zuschauer zum Lachen und zum Schmunzeln. Und für jene, die ihn verpasst haben, hier sein Buch: "Leasing tut's auch! oder: Warum ich nicht mehr heirate", 6. Auflage, erschienen im Satyr Verlag, 95 Seiten voller kurzer, humorvoller Geschichten. Viel Spass!

Baronessa
Wisa-Gloria-Gelände
Sägestrasse 44
Aufgang b
5600 Lenzburg