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Konzertimpressionen - ohne Bilder - dafür mit Worten

Impressionessa vom 22. Januar 2016: Irrwisch

Was ist ein Irrwisch?
"Es gab eine Zeit, da war alles dunkel…"
Meeresrauschen. Wir stehen am Anfang allen Lebens, im Dunkel, im Eins. Streicher und Bläser eröffneten klassisch den gestrigen Abend in der Baronessa, ich geniesse die Klänge noch einmal, während ich im Wohnzimmer auf einem roten Teppich liege, und lasse mich davontragen.
Der Sound von Irrwisch ist zeitlos, es gibt kein Instrument, kein Charakteristikum, das mir besonders auffallen, das die Band für mich als einem bestimmten Stil zugehörig definieren würde, nur dass die Songs eine Vielfalt an Klängen bringen. Satt und "satisfying", denke ich. "Die Texte kenne ich weniger, ich höre auf das, was mit der Musik herüberkommt" meinte ein Fan, der Irrwisch schon seit 30 Jahren kennt.
Irrwisch macht Prog-Rock, oder Progressive Rock. Der Musikstil hat sich dem Einfluss verschiedenster Richtungen und einem fortschreitenden Wandel verschrieben, und ist also mit Recht nicht festlegbar- von rockigen Grundtönen abgesehen. Mit "Living in a fools paradise" im Programm machen sie allerdings einen Abstecher zurück in die unverkennbaren 80er.
Seit vierzig Jahren ist Irrwisch musikalisch unterwegs. Ich frage den Sänger Steff Bürgi nach der Entstehung des Namens. Irrwische sind Irrlichter, erklärt er mir, uralte Naturgeister, die die Menschen nach Hause oder ins Moor führen. Der Begriff begegnete ihm und dem Gitarristen Chris Bürgi an einer Ballettaufführung. Steff, Chris und der Drummer Josef Kissling sind seit dem Anfang der Band dabei. Dazu kommen Andi Hürzeler am Sax/Perkussion, Adrian Wirz am Bass und Sabine Hasler Vocals/ Backing voc. (Line-up gemäss Homepage)
"Eine Rose und ein Stein" also. Dieser Vergleich zwischen Vergänglichkeit und schierer Unendlichkeit, den einst Bundesrat Leuenberger in einer politischen Rede anwandte, hat die Band während den letzten zehn Jahren beschäftigt. In dieser Zeit nämlich, in der das aktuelle Doppelalbum entstand: "A Stone and a Rose". Dieses kommt in seiner Form wieder einem Konzeptalbum nahe, die Musik erzählt eine gosse Geschichten, und die nicht in einem einzigen Song Platz hat.
Progressiv oder eine Retrospektive in einer schnelllebigen Zeit?


Impressionessa vom 8. Januar 2016
Toni Vescoli

Americana mit Akkordeon, "Grosi" und "Ätti" und neuen Liedern.

Immer wieder schleicht sich der Zürcher Dialekt in meine Notizen ein, während ich heute zum ersten Mal Toni Vescoli live erlebe. Er steht fast allein auf der Bühne, begleitet von Markus Maggi am Akkordeon und Keyboard, das heisst, wenn man von den sieben Gitarren absieht, die hinter ihm in Reih und Glied stehen. Und natürlich seiner Schnuregyge. Die ältesten zwei Gitarren sind schon länger auf der Welt, als ihr Besitzer und haben Namen: Grosi (1928) und Ätti (Jahrgang 37). Es sind zwei Steelgitarren, wobei Grosi metallen glänzt, Ätti von weitem eher wie aus Holz gefertigt wirkt.
Toni Vescoli singt "Americana", ein Musikstil, der Folk, Country , Blues und Rhytm and Blues aufgreift. Der "Alpe-Dylan" oder "Alpen Beatle" singt uns bekannte Hits wie "Scho Root" (1975) oder "La Feria" (1992), "Hey Baby was isch los" (1999) aber auch Neues: "Indigo Chind", "Topfit" (trotz Pommes Frites) , "Zieh dyni Jagge uus", und er bringt seine Lieder auf Spanisch, Italienisch, Französisch, Englisch und natürli Züridütsch, und auf humorvolle und einfache Weise. Er braucht keine Show zu machen, die Lieder und Songs sprechen für ihn. Bob Dylans "The times they are a-changin", sowohl Über- wie auch Auseinandersetzung mit dem Song, beginnt mit dem englischen Original. Nach einer kurzen Passage wechselte er zu Dialekt und singt: " … und ich ha mal glaubt, jedes Wort seigi wahr". Er ruft die Jugend auf, aktiv zu sein, und das Schicksal der Welt in die Hand zu nehmen.
In der Pause frage ich ihn, was der Unterschied zwischen Züridütsch und Bärndütsch sei, beim Singen und beim Publikum. Züridütsch sei als Sprache weniger blumig, sagt er. Zur Toleranz von einer Zürcher Mundartband im Bernischen meint Vescoli: In den 60ern mit den Sauterelles in Bern aufzutreten war einfacher, als dort in den 70ern Zürcher Dialekt zu singen. Die Basler-Fans hingegen waren da toleranter. Generell, sagt Toni Vescoli, seien die Leute Richtung Süden offener.

Buchtip: "Ich mache immer was i will"
Eigentlich hätte es zu seinem Siebzigsten schon erscheinen sollen, doch dann dauerte das Projekt doch länger als geplant, und er nahm zuerst seine neue CD in Arbeit, die auch pünktlich zum Geburtstag fertig wurde. Nun ist sie aber da, die Biografie, rund 550 geschriebene Seiten und über 400 Bilder. Sie ist in 122 Kapitel eingeteilt, die auf den ersten Seiten mit kurzen Inhaltsangaben aufgelistet sind. Der Leser kann sich also aussuchen, was er gerade lesen möchte. Eine Biographie muss schliesslich nicht zwingend chronologisch gelesen werden!


Impressionesa 20. November 2015 – Laurence Jones

Heute in der Baronessa Lenzburg, morgen Live-in-Cham, übermorgen…? Jeden Tag fahre ich an seinem Plakat vorbei: Laurence Jones.
Auf youtube finde ich gleich mehrere Songs von ihm, und alle mit über 10'000 Likes. Ob er hält, was er verspricht? Nun sitzt er beim Abendessen, ein etwas introvertierter Junge, der auch noch ein spezielles Menu bestellt. Eine kurze Bemerkung: "I got a Crohn's desease" stellt klar, woher seine Sonderstellung kommt, und dass er sich deswegen nicht von seinem Leben und der Musik abhalten lässt. Seine CD's sind auch bereits in der Pause ausverkauft, das Publikum ist begeistert. "Temptation" ist nach "Thunder in the Sky" (2012) sein zweites Album.
2015 Blues Award wählt ihn zum "besten Gitarristen", Ruf Music bezeichnet ihn als "vom Wunderknaben zum Hauptakteur entwickelt". Laurence Jones ist sympathisch, auf der Bühne strahlt er vor Glück. Er geniesst sein Duett mit dem Bassisten Roger Inniss, fährt ihm während dem Spiel frech übers Haar und lacht . Sein Lachen ist ansteckend. Die Gitarrensoli spielt er teilweise mit geschlossenen Augen. Als er die bekannten Akkorde von Stairway to Heaven in einen Song einfliessen lässt, macht er die Symbiose gekonnt, so dass ich mich von den Klängen entführen lassen kann, ohne dazu seinen charakteristischen Song zu verlassen. Der Sound ist intensiv- die Lautstärke ebenfalls. Das Trio gibt voll Stoff. Die Zuschauer fanen mit und der Auftritt endet mit einer Standing Ovation!
Line up von heute Abend:
Laurence Jones, Lead Gesang und Gitarre, Roger Inniss am Bass und Miri Miettinen an den Drums.


Impresssionessa 6. November 2015
Walt's Blues-Box. Brillant. Gegründet 2006

Mit warmem Sprechgesang eröffnet Walter Baumgartner den Abend, erzählt im ersten Song von seiner Freundin, was er alles für sie tut und dass sie ihm nun doch endlich verraten soll, wo sie gestern Abend war. Ein dezent gekonnter musikalischer Einstieg.
Swingend erzählt er "Well, that's my Mam" und funky vom "Sunshine of my life". Sonny Boy Williamson II inspirierte ihn zum Song "Evil things" mit einem brillanten Harmonika-Spiel. Traditioneller Blues kommt hier bestens zum Zug.
Die Band spielt stellenweise so leise, dass Walter ohne Mikrofon singen kann, dann wieder rast Elias Bernett über die Tasten der Hammond. Was für ein Boogie! Jürg "Boots" Stiefel am Bass/Kontrabass und Andi Schmid an den Drums sind eine prägende Einheit in jedem Stück. Dass Blues so schön sein kann…
Doch nicht genug der Lorbeeren: Wer ihn nicht gehört hat, den Saxophonisten Sam Burckhardt, hat Jump Blues und Swing verpasst. Geboren 1957 in Sursee und aufgewachsen in Basel, lebt er seit vielen Jahren in Chicago und bring hier das musikalische Feeling dieser Stadt in die Baronessa. Sein Ansatz am Saxophon ist tadellos, seine Stimme ausgebildet, sein zurückhaltendes Auftreten weit von dem eines simplen Berufsmusikers entfernt. Er ist ein Könner.
Was gibt es noch zu sagen?
Die Musiker mischen sich während der Pause unter das Publikum. Und wenn Walter Baumgartner zum Schluss humorvoll eine CD als Weihnachtsgeschenk empfiehlt, ist er durchaus ernst zu nehmen:
Leichter und kompakter geht's nicht.


Impressionessa 23. Oktober 2015
Chubby Buddy

Ein bluesiges Privatkonzert erwartete uns heute in der Baronessa. Die beiden Berner Marc Amacher und Dominik Liechti spielen seit zwei Jahren zusammen und haben an der Basler Blues Night bereits einen ersten Platz belegt. Chubby Marc ist eingedeckt mit drei Gitarren, Buddy Dominik mit Cajon, Chimes, mehreren Becken, High-hat und diversen weiteren rhythmischen Zutaten, die er allesamt mit blossen Händen bearbeitet. Gemeinsam servieren sie uns ein Gericht aus klangfarbigem, klassischem Blues, unkompliziert und geradeheraus.
Chubbys Stimme tönt rauchig und rau, der Text ist dem Stimmklang untergeordnet, nicht immer verständlich. Im Mittelpunkt des Klangs steht oft seine Gitarre, die er gesanglich kraftvoll ergänzt. Die Songs, die sie spielen, sind eine gute Mischung aus Covers und eigenen. Die Musik ist in Bewegung, das Publikum übrigens auch, nicht alles, was die zwei spielen ist einstudiert und Dominik improvisiert gekonnt. Er ist mit seiner Aufmerksamkeit immer beim Sänger. Wer mittanzt, spürt die Vielfalt der rhythmischen Klänge.
Nach der Pause startet Chubby solo, Marc schont seine Hände, die unter stundenlangem Spielen doch arg leiden können. Jetzt kommen die Zwölfsaitige und die Steelgitarre zum Zug – und natürlich Chubbys Gesang. Ob "Proud Mary", "Hey Joe", "Tutti Frutti" oder "Wonderful tonight", er interpretiert die Songs auf seine Weise: Es fägt!


Impressionessa 16. Oktober 2015
Smack – aus Freienbach und Gone Shootin'

Das Doppelkonzert füllt den Abend mit Rock Covers und AC/DC Sound vom Feinsten.
Allan, Damian, Sidney, Simon und Willem haben schon die "Grössten Schweizer Talente"- Bühne mit "Black Night" von Deep Purple gerockt. Die fünf Jungs steigen auch gleich mit einem eigenen Song ein, "Mistakes" und moderieren ihren Auftritt professionell, mit wenig Gerede und einem vollen 40 Minuten Set.
Jung sind sie, gerade vierzehn oder fünfzehn, stehen da in Jeans und schwarzem T-Shirt und sind immer in Bewegung auf der Baronessabühne. Fünf Leute, das lässt wenig Raum für ausladende Choreografien und schliesslich steht der Platz für Gone Shootin' auch schon bereit. Trotzdem ist das Bild nie langweilig. Der Leadsänger Sidney bleibt präsent und mit dem Publikum in Kontakt bis zum letzten Ton, keiner der Musiker steht je still. Der Bass wechselt die Hand, mal von Allan, mal von Simon gespielt, durchdröhnt er den Raum. Die Drums, in den Fills nicht immer ganz zuverlässig, geben einen guten Grundbeat, an dem die Band sich orientieren kann. Das Publikum ist ihnen zugetan, wippt im Rhythmus mit und fordert eine Zugabe – einen rockigen Blues. Smack hat in ihren jungen Jahren eine professionelle Bühnenpräsenz.
Besonders: Drei der Bandmitglieder bleiben bis zum Ende des Auftritts von Gone Shootin' in der Baronessa.
Noch einmal stehen zwei Gitarristen, Leadsänger, Bassist und Drummer auf der Bühne. Diesmal sind sie eine Generation reifer, lassen den Bass durch die Tische vibrieren, dass in der Bar die Gläser von den Regalen fallen, und sind präzise auf die Drums abgestimmt. Empowerment – auftanken, Kraft schöpfen, aufgewärmt von Smack den präzisen Rhythmus geniessen, während uns Gone Shootin' mit AC/DC Covers mitreisst. Die Stimme des Shouters "Thömy", gestärkt nur durch einen Drink gemischt aus Bier und Cola, vereint Bon's und Brian's Stimmcharakter, und er hält locker bis zum Ende durch. Ende, das ist erst nach drei Zugaben, wobei Peter "Eichi" Eicher in einem vierminütigen Gitarrensolo die Spannung konstant steigert. Backing Vocals und Gitarre: Silvio Tschümperli, Drums: Dan Hammer. Bass: Kari Zehnder. Wieder einmal eine Band in der Baronessa, die Open Air und Grossbünenfeeling verbreitet.


Impressionessa vom 9. Oktober 2015: Bünzlikrachers

Die under- Cover Band

Let the show begin! Eine Coverband mit Biss und kabarettistischem Flair.

Rockig steigen sie ein, die Bünzlikrachers, mit Wollpullover, Brillen und Hosenträgern, und gar nicht bünzlig. Welchen Song sie auch covern, ob für 20 Sekunden oder drei Minuten, die Partystimmung dringt ebenso durch wie der Gitarrensound. So bieten sie uns Falco's Amadeus mit Rock Beat, oder lassen Proud Mary sogar nach Punk tönen. Sie beanspruchen für sich nicht, die perfekten Musiker zu sein, sagt Michu später, sie stehen eben auf der Bühne, weil es ihnen Spass macht. Gut sind sie aber, und den Spass bekommen die Zuschauer auf ansteckende Weise mit.
Es bringt der Sänger und Gitarrist Michu, der Unübersehbare, mit seinem Gegenspieler und ebenfalls Gitarristen Stöffu, dem schlanken Softie-Single, einen konstanten Schlagabtausch, der auch mal freundschaftlich und unzensiert unter die Gürtellinie geht. "Can you blow my whistle, baby?"
Und der Drummer Sandro Leopold – S.L. steht für Sex and Love, abgeworben für 1,2 Millionen bei einer Blasmusik, soll von Tuten? und Blasen wenig Ahnung haben. Nun, schliesslich ist er Drummer …

Unzensiert und direkt nutzt die Band an anderer Stelle die Zensur aber als kabarettistische Chance. Soll man doch nicht "B-B-Bitch" singen, so singt man eben "B-B-Bärner Meitschi" oder doch lieber "B-B-Barack?" Auf jeden Fall: "I don't care if I fuck it … up." Mit den Bünzlikrachers haben wir beste Unterhaltung auf der Baronessabühne.
"Sit ehrlich zu öis" rät der der Michu. "Wär isch froh, we mer göi?" und beruhigt das Publikum auch gleich, die Band wäre sowieso zu dick, um sie zu verdreschen. Einstimmig warten alle auf die Zugabe.
Aber nicht nur sich, die Band und die Politik nehmen die Jungs mit gutmütigem Charme auf die Schippe, auch das Musik-Business selbst muss genau genommen daran glauben, denn die "Bünzlikrachers" kämpfen, wie so viele gute Musiker, als "United to be famous" ums Überleben. Wer kennt sie …?
Eben: eine under-Cover Band.


Impressionessa vom 2. Oktober 2015

40 Jahre Span – "Wir spielen, was uns bewegt"

Da gibt es nichts Neues zu entdecken, könnte man sich sagen, und bei Gelegenheit einfach eine der alten Scheiben auf den Plattenteller legen, vorausgesetzt, der Plattenspieler hat die letzten vierzig Jahre ebenso gut überstanden wie diese Band. Könnte man …?

Die Band ist gerade fertig mit dem Essen, auf dem Tisch stehen Gläser und Flaschen von Mineralwasser und Cola. Christof, Schöre, Mätthu und Stefan machen sich mit ihren Begleiterinnen auf den Weg zur bereits vollen Baronessa. Stühle sind dort nur noch über gute Beziehungen zu haben, und während die Musiker sich bereitmachen, sieht sich das Publikum die Geschichte der Band auf Video an.
Diese Bandgeschichte ist Musikgeschichte, denn Span sind Pioniere des Mundartrock.
Was mit einem Verkaufsreim "Wir haben einen Hit – machen Sie mit? Wir haben zwei – sind Sie dabei?" bei EMI begonnen hat, berührt bis heute das Publikum. Die Songs dafür entstehen ganz verschieden, mal ist die Musik zuerst, mal der Text, aber immer reift ein Song solange, bis Text und Musik zu einer Einheit werden und zusammen dieselbe Geschichte erzählen. So geht "Stägeli muesi ufe, Stägeli muesi abe, will min Schatz wohnt ime Hochuus" nicht nur wegen dem Text "i d Chneu".
Trotzdem sind die Texte keine Nabelschau. Wer "Liebefäld" oder "Louenesee" schon als Ohrwurm zu Gast hatte, weiss das.
Die Band erzählt aus dem Alltag. Die Musik lässt Raum für Text und Stimmklang, die Songs sind oft zwei- und dreistimmig gesungen. Als Highlight im Livekonzert gibt es mehrere Minuten lang Improvisation auf einem einzigen Akkord. Man kann sich zurücklehnen und geniessen, denn hier braucht keiner zu fürchten, der Song sei zu Ende, bevor man überhaupt weiss, wie er geht – eine Seltenheit bei der heutigen 3-Minuten Richtlinie! Und ein musikalisches Erlebnis.
Einige der Lieder von heute Abend finden wir auf der neuen CD "Rock ‚n' Roll Härz" wieder. Berner Rock'n'Roll und Span, wie wir sie kennen, und doch ist der Klang neu und zeitgemäss produziert.
Und wer sie heute in der Baronessa verpasst hat, kann sich für den 20. November im Bierhübeli z' Bärn sein Ticket reservieren!


Impressionessa 11. September : Rockin' Chair

"Have a Seat"- Saisonstart mit einem Heimspiel. Live, straight and pure!
Line up:
Max Richner aus Bremgarten spielt den Bass, der Lenzburger Oliver Martin singt, und Adrian Aerne (Lenzburg) spielt Gitarre und singt auch, Res Schmocker drummt und Hardy Spirig aus Frauenfeld soundet am Keyboard.
An der Decke wimmeln rote und grüne Lichtflecken wie Ameisen auf der Flucht. Auf der Bühne stehen alle Mikrofone, die der Fundus hergibt.
Rockin' Chair, alias «Cinema» alias «Goldfinger» alias «Ladsgmeind» alias «Mayday», schaut auf rund dreissig Jahre seit seiner Erstbesetzung zurück und hat im Kern viele Stürme überlebt. Musikalisch kommen sie aus dem Pop, Rock und den 70's. Und so starten sie auch: Mit Deep Purple und Uriah Heep (Wanna be free, 1971) Kinder, da war ich gerade mal drei! Zuhause sind sie als Band in Lenzburg. Ein Heimspiel also.
Uriah Heep. Der Gitarrist kann auch singen! Deep Purple. Die alte Hammond Orgel, deren Sound durch einen "Leslie"-Lautsprecher verstärkt wird, kommt voll zum Zug, und die fünf reifen Musiker, und Reife bezieht sich hier durchaus auch auf den Sound, nehmen ihre Plätze in der Band ein. Jeder hat genügend Raum zum Spielen, keiner dominiert. Routine und Sicherheit tragen dem gewohnten Niveau in der Baronessa Rechnung. "Have a seat" heisst übrigens auch eine ihrer CD's. Das Repertoire, ein Kern von etwa fünfzehn Songs und zehn, die je nach Konzert dazu kombiniert werden, besteht aus Covers und Eigenkompositionen, die allesamt mit einem breiten Sound bis in die hinterste Ecke für geniesserische Entspannung sorgen. Und zum Schluss lässt sich die Band für volle drei Zugaben zurück auf die Bühne holen.
Es tanzte heute Abend zwar niemand zu den durchaus tanzbaren Rhythmen, doch sah man auch kaum jemanden die eingangs angebotenen Ohrstöpsel benutzen.
Take a seat – and have a good time!


Kurzimpress - Piledriver 3. Juli 2015

"Heisser Sound für heisse Zeiten"
Im heissen Wetter soll man heissen Tee trinken, damit der Körper anfängt, sich abzukühlen.
Wer auch immer das zu mir gesagt hat, die Baronessa kennt diese Weisheit auch.
Serviert wurde am Freitagabend heisser Sound für heisse Zeiten, kühles Bier natürlich, und Aperol Spritz. Sogar der Rotwein durfte an die Kühle…
"Leise wird es sicher nicht" verspricht der Drummer Hans Haurein noch vor dem Soundcheck. Sie reizen das Volumen bis an die Grenze aus. Und später, während die Jungschwalben ihre Flugstunde über dem Wisa Gloria Areal absolvieren, stehe ich auf der Terrasse und geniesse die Sound von Status Quo. Konstante Präsenz, verlässliche Tracks, viel Platz für die Musik.
Piledriver orientieren sich an den Status Quo der Siebziger. Damals, so einer der Musiker, hat die Band richtig in die Saiten gegriffen. Heute sind sie etwas braver. Aber familientauglich waren sie schon immer.

Piledriver sind:
Hans Haurein an den Drums
André Wunderlin - Lead Vocals & Gitarre
Martin Eyer – Gitarre
Beat Schaub mit Backvocals und am Bass.


Impresssionessa 19. Juni 2015: Dänu Brüggemann und Tom-Cat Rose

Für einmal steht der Mischer Tomy Poms direkt auf der Bühne, als Tontechniker, am Keyboard und an einer Drum-Komposition mit Snare, Hi-hat und Cajon. An den Mikrofonen Cat Ruppolo und daneben ich, statt mit Block und Schreiber bewaffnet, mit der Gitarre in der Hand:
Tom – Cat Rose.
In unserem Rahmen-pro-Gramm tragen wir musikalischen Ohrwürmern Rechnung, oder eben dem Ohrenschleicher (Vermis auricularis musicalis) aus dem Bestiarium "Monstrorum historia", erschienen im Rossolis Verlag. Bald aber geben wir die Bühne frei für einen alten Hasen in Sachen Schreiben, Texten, Singen und Schauspiel.
Mehr als einen Barhocker, ein Mikrofon und zwei Gitarren braucht er nicht, um das Publikum mit kalten Schauern und ironischem Witz in den Bann zu ziehen:
Dänu Brüggemann.
Seine Texte, aus dem Leben gegriffen und vielschichtig aufgebaut, lassen uns Julia und Romeo alias Miriam und Rolf, das Monster von Loch Ness, den Banker oder den "Beat mit de Fläscheböde" aus neuen Perspektiven sehen. Eine Brille als Requisite reicht ihm, und der "Voyeur" wird den Damen unheimlich. Und wer in diesen Tagen gerade umzieht, wird nach heute Abend das "Apartement 9" sicher meiden!


12. Juni 2015 - Pablo Infernal

Open Air Feeling in einer lauen Sommernacht
"Wir spielen jeden Gig voll Power, egal ob vor zwanzig oder zweihundert Leuten", verspricht Leadsänger und Gitarrist Altin Asllani, und verwandelt mit "Pablo Infernal" die Baronessa in eine Openair Plattform. Wer den Ohrenschutz am Eingang übersehen hat, wird jetzt daran erinnert. "Moon Rock", der erste Song der Band, entstand als Altin 13 oder 14 Jahre alt war. In diesem Alter hatte er auch seinen ersten Auftritt. 2013 stand dann "Pablo Infernal" als beste unter 50 Rockbands am Rock Highway Contest auf der Bühne.
Sie spielen präzise, kompakt und rhythmisch abwechslungsreich. Die ungestüme Energie des Punk treibt die Rhythmen vorwärts, die einfachen Akkorde aus dem klassischen Rock transportieren eine klare Message. Good old Rock'n'Roll klingt an und nicht nur der Sänger, auch die Instrumente erzählen ihre Geschichten:
Am Bass Fabio Schöni, E-Gitarre Flavio Scano, Drums Timo Meier. Und eben: Altin Asllani.
Wir hören Songs, die mit chilligem Reggae beginnen oder mit den Klängen von "Hey Jude", wir hören die Uraufführung von "Desert Highway", der Bass vibriert durch unsere Körper. "Huere guet" tönts aus dem Zuschauerraum, keiner sitzt mehr still. Aber "still" ist ja auch nicht das Motto der jungen Band. Für sie zählt Authentizität, der Sound von früher aber ohne Retro-Trend!


Impressionessa vom 22. Mai 15 - Roundabout Sixties

Die Tische sind leer, die tanzbare Fläche voll: Roundabout Sixties.
Es wippt und schnippt die gut besuchte Baronessa, man tanzt galant miteinander und aneinander vorbei, ohne dass ein einziges Glas zu Boden fällt und ohne auch nur einer einen Schuh verliert. In den Raum einen soliden Teppich von Bass und Drums gelegt, darein gewoben ein musikalisches Spiel authentischer Klänge – ein Zeitsprung.
Roundabut Sixties bringen nicht nur 60er, sie sind 60er: Jung, in Schale, mit Hosenträger oder Kravatte, Blazer, schwarz-weiss, gepunktet, im Mini: It's my Party.
Ich singe mit und hoffe, den Mischer neben mir nicht aus dem Konzept zu bringen.
Die konstant wechselnden Leadstimmen in den Songs sind eine Herausforderung. Die beiden "Mädels", Cécile Driutti und Sabrina Büchi bringen Harmonien im klaren, erfrischenden Klang der Zeit, "Oldies are Goldies" – Schweigen ist Silber, aber Singen ist Gold. Bruno Driutti an der Gitarre steht ihnen in nichts nach - die dezent sexy Bewegungen der Damen mal ausgenommen …
Schliesslich hören wir die Sixties sogar a cappella! Drummer und Bassist included.
Ob Runaround Sue, Rock around the Clock oder Son of a Preacher Man – ich kann keine Fehler hören, und sollten sie sich doch einmal in der Tonlage versungen haben, so haben sie den Ton galant als den richtigen präsentiert. Vielleicht gab es eine etwas zu deutliche Atempause während ABBAs "take-a-chance-take-a-chance-take-a-take-a-chance-chance-take-a … " Aber Benny&Björn waren schiesslich zu zweit. Haben Sie das schon mal mitgesungen?

"Das Geheimnis des Bassisten"
Der auffällig satte Boden, den der Bassist Chrigi Bachmann mit Manuel Kägi an den Drums legt, lässt mich den Bassisten nach seinem Geheimnis fragen:
- "Röhrenamps", sagt er, "und die ur-alten Boxen".
- Als nächstes nennt er den Tontechniker, der es nicht versäume, dem Anschlag eines Basstons genügend Höhen zu geben, so dass der Ton als Ganzes zu hören und nicht nur ein klangliches Wummern sei. Einleuchtend. Oder nicht?
- Ein Bass ohne PA – damit der Klang zu nahe stehender Boxen sich nicht subtrahiert.
- Schliesslich nennt er seinen Höfner Bass – er "zeichnet sauber", sagt er, hat einen grossen Saitenabstand und muss mit viel Kraft gespielt werden.
- Und last but not least: Die "Baronessa" hat eine gute Akkustik!
"Ich brauche in der Regel 2-3 Jahre, bis ich ein Instrument wirklich kenne", verrät mir Christian zum Schluss. Wunderbar, denke ich, und verlege mich vorerst aufs Zuhören.


Impressionessa vom 8. Mai 15
"Klangfrei"

Fast etwas zu klein scheint die Baronessa heute, zumindest ihre Bühne. Gleich sieben Leute suchen Platz im rot- und blauen Bühnenlicht. Gitarre, Drums, Bass, Keyboard als Rückendeckung, zwei Mädels ihr zur Seite die – wenn sie mal Raum dazu haben, ganz jazzig klingen können. Am zweiten Keyboard die Sängerin: Recha-Maria. Der bandeigene Mischer sucht die Kanäle.
Böse Zungen könnten nun behaupten, man hätte zwischen den Zuschauern an den Tischen nur mehr Platz gelassen, damit die Töne doch noch den richtigen Klangraum fänden. Wie sagt man noch? Weniger ist manchmal mehr.
So sind auch die Klangperlen dort zu finden, wo mal das grosse Ganze schweigt, zum Beispiel am Anfang von Cindy Laupers "True Colours", wenn nur die Soprane singen. Das Cover bekommt einen ganz eigenen Charakter. Während Cindy einen Lovesong singt, hören wir hier eine jazzige Variante – eben: True colours are shining through. Der Mischer kämpft mit dem Digi-Pult.
Zeit und Raum für meine Gedanken, sich eigene Wege zu suchen:
Was macht denn einen gelungenen Gig aus?
Die Einheit, die eine Band bildet, trotz und mit ganz individuellen Musikern… Der Charakter der einzelnen Songs? Die Übergänge, die Moderation. Der Gig ist mehr als eine CD, er spielt mit dem Zufall und vielleicht gegen die Fussball WM oder eine Technoparty im Haus nebenan. Er spielt mit der Nervosität und der Routine jener, die auf der Bühne stehen und mit den Erwartungen der Zuhörer und – schauer. Pause.
Der Drummer nimmt sich etwas zurück, der Mischer lässt dem Bass mehr Raum, es scheint als hätte er den Kampf gewonnen: Das Konzert gewinnt in der zweiten Hälfte an Qualität. Der letzte Song: "Right now I'm talking to you". Ein paar CD's wechseln den Besitzer. Die Geschmäcker sind verschieden, aber immerhin: Diese Band ist flexibel.


Impressionessa am 1. Mai 2015 - Vincent Gross

Erster Mai - in manchen Kantonen ein Tag der Arbeit, an dem bis spät in die Nacht viel geredet wird, in anderen ein ganz normaler, arbeitsamer Freitag mit Freitagabend Ausgang. In der Baronessa ein Abend zum Geniessen, wo diesmal ein wunderbarer Stilwechsel zwischen zwei Singer/Songwriter gelungen ist:
Vincent Gross, der noch etwas scheue 18jährige mit der "samtenen" Stimme, will gross hinaus. "So weit wie es geht", sagt er. Auf Youtube mit ersten Coversongs bekannt geworden, dann im Swiss Talent Award Finale auf der grossen Bühne gestanden, ist er etwas nervös. Nur er und seine Gitarre, ganz persönlich und so nahe bei den Zuschauern, das ist eine Herausforderung – und ein spezieller Genuss für die Gäste. Leider erwische ich vorerst nur den letzten Song von seinem Auftritt, seine warme, empathische Stimme, einfache Gitarrenklänge, die das Herz berühren. Dafür erwische ich ihn etwas später für ein Gespräch.
Nach der Pause ist die Bühne voll:
Ami Warning, gerade mal zwanzig, singt seit sie vierzehn ist. Sie hat bereits in der Band ihres Vaters Wally Warning gespielt und steht ebenfalls mit ihrer akkustischen Gitarre da, neben ihr ein Bass, ein E-Gitarre und hinter ihr der Drummer, der ihren Sound aufmerksam begleitet. "To groove" – gibt es dafür eigentlich ein deutsches Wort? Ein brauchbares, meine ich. Nun: Die Baronessa groovt mit Reggae-Soul-Funk, wobei der Reggae einem nicht nur in die Beine fährt. Man wippt und tanz automatisch mit, während ein satter Gitarrensound den Raum füllt. Amis Simme klingt rauchig, herb, manchmal mit einer fast provokativen Härte, dann wieder weich, erotisch "broken" und immer rhytmisch. Ich bemerke das flexible Zusammenspiel der Band und erst später, beim Aufräumen, dass zwischen Drummer und Sängerin noch mehr zusammen spielt, denn die beiden sind ein Paar, seit etwa drei Jahren …
Und Vincent Gross?
Er will sich nebst der Musik auch auf seinen Beruf/ sein Studium konzentrieren. Obwohl: "Zu den ganz Grossen gehören wär' schon cool", meint er dann doch.
Sein Lieblingssänger? - Chris Martin von Coldplay.
Und welches war heute Abend sein Lieblingssong? - Cello von Udo Lindenberg (feat. Clueso).
Und von seinen eigenen: "Zerrissen".
Auf die Frage, wie er zu seinem eigenen Stil findet, erwidert Vincent: "Meine Musik soll Melodie haben." Und sonst? - "Einfach singen."


10. April 2015 - Jessy Martens

(Jessy Martens – Gesang / Jan Fischer – Piano / Christian Kolf – Schlagzeug / Ralf Böcker – Saxophon)

18:33 – "Alles parat, Band nonig da" schreibt der Tontechniker. Kurz danach treffen sie ein. Ein Breakdown auf der Autobahn, zum Glück nichts Schlimmes.
Am Tisch sitzt jetzt eine junge Frau und erzählt von ihrem Pferd. Eigentlich ein Pony, sagt sie lachend, einen Zentimeter unter der Pferdegrenze. Sie will uns nicht im Detail schildern, wie ihr Vierbeiner sie unlängst überrannt hat. Schliesslich sitzen wir beim Abendessen. Nur: das letzte Konzert hier musste sie deswegen absagen. Aber nun steht sie doch noch auf unserer Bühne:
Jessy Martens.
Der Ruf eilt ihr voraus, wir können gute Stimmung erwarten, und die Baronessa ist angenehm voll. 2012 den Louis-Armstrong Gedächtnis Preis, den German Blues Award und den Deutschen Rockpreis abgeräumt, hat sie nicht nur eine gewaltige Stimme. Ihre Ausstrahlung füllt den Raum und macht sie spürbar für das Publikum. Ihre Stimme ist ein Instrument, das den höchsten Tönen des Saxophon standhält, zarter als ein Piano im Raum steht, ja sogar Pausen rhythmisch lebendig und hörbar gestaltet. Und natürlich bluest und rockt es durch die Bar. Und Jessy hat Humor. Ob spontane Gäste oder ein "Funkmikrofonkabel" – ihr kommt zu allem etwas aus dem Mund. Hamburger Schnauze, meint sie dazu.
Am Schlagzeug hält Christian Kolf den Rhythmus stetig und verlässlich, nur ein einziges Solo lässt ihn zeigen, was noch alles in ihm steckt. Am E-Piano rennen Jan Fischers Finger über die Tasten und Ralf Böcker bringt nebst Sex-'o'-phonstimmung einen tadellosen Ansatz vom ersten bis zum letzten Ton. Wie der das nur macht?
Ich hab die Finger an den Beleuchtungsreglern, neben mir steht der Haustechniker Tomy auf jeden Ton voll konzentriert. Das Publikum tanzt, klatscht und singt mit - natürlich nur, wo es aufgefordert wird.
Es ist ein Rock-Blues Abend vom Feinsten!
Oh, und natürlich kann man sich die aktuellste CD schon vor dem offiziellen Verkaufsdatum abholen! ☺

Baronessa
Wisa-Gloria-Gelände
Sägestrasse 44
Aufgang b
5600 Lenzburg